Der Unterschied zwischen Grafikdesign und Kommunikationsdesign

Arbeit eines Grafik Designers
Kategorie: Designwissen

Gebrauchsgrafiker (*) wurden Anfang der 20er Jahre für die ersten Drucksachen beauftragt. Sie verbanden Disziplinen wie angewandte Kunst und bildende Kunst und bewegten sind im Spannungsfeld zwischen Schrift und Bild. Die Arbeiten waren Gebrauchsgrafiken, Anzeigen, Zeitungsgestaltung, Buchgestaltung, Flugschriften- und Flugblätter-Gestaltung.

Woher kommt der Begriff »Grafik Design«

Der Name Grafik Design stammt von der grafischen Gestaltung ab. Wann der Begriff Grafik Design entstand, ist nicht ganz klar. Er könnte in den 20er Jahren bereits existiert haben oder erst in den 50er Jahren, als die Werbung durch eine einheitliche Firmendarstellung mit einem übergreifenden Gestaltungskonzept an Bedeutung gewann.

Das Arbeitsfeld der Grafik Designer umfasste die Kunst zu schreiben, zu zeichnen und zu malen. Sie beschäftigten sich verstärkt mit dem gesamten Erscheinungsbild einer Firma und der Gestaltung der kompletten Werbung eines Unternehmens.

Der Begriff Freier Grafiker, Grafik Designer oder Kommunikationsdesigner ist nicht geschützt. Auch nicht die Unterbegriffe wie Medien Designer oder Motion Designer. Nur der Begriffe Diplom Designer ist gesetzlich geschützt. Eine Abgrenzung zu anderen Design Disziplinen findet hier nur mittels Zusatz statt z. B. Diplom Designer Visuelle Kommunikation.

Da die Design-Berufe überlappend sind und je nach Branche und Projekt unterschiedliche Voraussetzungen benötigt werden, gibt es keine klaren Abgrenzungen der Lehrinhalte. Jede Schule bzw. Hochschule hat eigene Schwerpunkte. Einzig und allein die Computeraffinität ist für alle Bereiche wichtig. Ohne das Werkzeug Computer gibt es heute keine Werbung.

Kennst du den Rapidographen?

Nein? Das ist kein Beruf aus dem medizinischen Bereich!
Das ist ein altes Handwerkszeug.

Ein Rapidograph – auch Tuschezeichner genannt – wurde in erster Linie von Konstrukteuren, Architekten aber auch von Grafik Designern verwendet. Es gab ihn in 10 Stärken von 0,1 bis 2,0 mm. Alles bevor der Computer eingeführt wurde.

Als Designerin der alten Schule, kenne ich noch diesen Tuschestift. Der Rapidograph (von rotring!).

DAS Werkzeug des Grafik Designers der 60er bis 80er Jahre. Wie oft schwitzte ich bei der Konstruktion eines Buchstabens! Wehe der Strich passte nicht, dann musste man entweder neu anfangen oder mogeln und korrigieren.

👉 Jeder, der – vor oder – Anfang der 80er Jahre den Beruf des Grafik Designers erlernt hat, kam an diesem Arbeitsgerät nicht vorbei. Mit einem Rapidograph machte man die Reinzeichnung aller Art Grafiken. Mein letztes Exemplar habe ich bei unserem letzten Umzug 2019 entsorgt.

Wer einmal damit gearbeitet hat kennt seine Tücken. 🥵
Entweder man pflegte ihn und er war dein Freund oder er zickte rum 😂 und eine Reinzeichnung konnte dann schon mal die doppelte Zeit in Anspruch nehmen.

Insgesamt war die Erstellung von Werbemitteln bis Anfang der 90er Jahre sehr aufwändig und jeder Schritt hatte seinen eigenen Beruf. Das kostete Zeit: Designer, Fotograf, Texter, Setzer, Lithograph, alle mussten Hand in Hand arbeiten und wurden durch einen internen Produktioner koordiniert, bis endlich das fertige Druckobjekt erschien.

Das Tätigkeitsfeld eines Designers war im Wesentlichen auf den Designbereich begrenzt. Im Mittelpunkt stand die Kreation. Der Aufgabenbereich umfasste die rein kreativen Tätigkeiten: Konzeption, Festlegung der Grundgestaltung, Entwurfs- und Layoutphase, manchmal noch die Reinzeichnung von Logos oder Grafiken. Danach kamen andere Disziplinen ins Spiel.

Grafik Designer arbeiten in Werbe,- und Medienagenturen, Internetagenturen (Anfang der 90er), PR-Agenturen Medienunternehmen, Fernsehstudios, Marketingunternehmen oder Designbüros.

Die Maus kommt, der Beruf des Kommunikationsdesigners entsteht

Mitte der 80er Jahre poppte der Macintosh Computer in nahezu allen Werbeagenturen auf. Anstelle von Stift und Papier wurden neue Arbeitsgeräte eingeführt: die Maus und der Bildschirm.

Dadurch entstanden in der Werbebranche neue Bereiche. Neben den klassischen Print-, Verpackungs- und Messedesign Aufgaben, gab es hohen Bedarf an Designer für CD-Roms, Flash-Animation, Screen- und Usability Design. Es entwickelte sich der Begriff des Kommunikationsdesigners. Die Aufgaben eines Designers umfassten die visuelle Gestaltung von allen Medien, mit dem Ziel den Inhalt verständlich zu visualisieren und die Aufmerksamkeit zu erhöhen.

Die Aufgaben des Designers wurden neu definiert: Er brachte die Kommunikation in Form von Sprache, Tätigkeiten oder Gedanken mittels Bilder, Animationen, Farben, Schrift oder unterschiedlicher Materialien zur Zielgruppe. Dabei war es egal, ob für reale oder virtuelle Räume.

Grafik Design stellt bald nur noch eine Untergruppe dar und befasste sich in erster Linie mit Corporate Design oder Brand Design – also der ganzheitlichen Betrachtung eines Firmendesigns.

Unter Kommunikationsdesign fallen viele Begriffe wie z. B.

  • Ausstellungsdesign (Messe, events)
  • Produkt- und Verpackungsdesign
  • Editorial Design (Magazin und Zeitungsgestaltung)
  • Informationsdesign (Leit- und Orientierungssysteme, Diagramme, Spieledesign)
  • Illustration
  • Digitales Design (Interfacedesign, Mediendesign)
  • Motion Design (Animation und Film)
  • Schriftgestaltung (Typographie)

Ein Kommunikationsdesigner durchläuft heute während seines Studiums, das komplette Spektrum der visuellen Kommunikation. Das bedeutet er kennt die Werbung in verschiedenen Formen wie Print, Film/Video und Internet.

Die Aufgaben sind heute – aufgrund der Digitalisierung – umfassender. Nicht nur der kreative Teil kann sein Aufgabengebiet sein. Er kann auch den Überblick über unterschiedliche Designbereiche haben oder sich auf eine Nische fokussieren und Spezialist werden. Von der Entwicklung visueller Konzepte bis zum fertigen Produkt egal ob für digitale oder realen Medien, ihm stehen alle Türen offen.

Design-Trends und Spezialistentum


Heute sind Designdisziplinen sehr spezifisch. Für jeden Spezialistenbereich gibt es individuelle Software und Tätigkeiten. Die Komplexität und der Erneuerungszyklus (Updates) einer Software macht es unmöglich alle Bereiche und die Software der Teilbereiche in der selben Tiefe zu kennen und zu beherrschen.

Dies führt dazu, dass Designer mehr und mehr auf die Funktionen, Filter und Vorlagen der Software-Hersteller zurückgreifen. Das spart Zeit, gibt aber den Herstellern die Möglichkeit anhand von Filtern Designtrends mitzukreieren.

Nicht der Designer entwickelt dann neue Design-Trends, sondern die Hard- und Softwarehersteller mit ihren technischen Gimmicks, Filter, Plug-Ins oder den Systemvoraussetzungen. Krass fand ich den Filter in der 2000er Jahren. Bei dem jedes Objekt ein Spiegelbild hatte. Das war nur eine Filterfunktion in Adobe. Keine Kreativleistung eines Designers.

Als Designer, egal welcher Disziplin kann man sehr gut von überall ausarbeiten, wichtig ist nur ein Computer und einen Internetzugang. Projekte werden heute meist gemeinsam über eine Cloud bearbeitet. Egal ob der Kollege im Nebenraum sitzt oder in einem anderen Land.

Fazit

Deshalb sollte sich ein Unternehmen vor der Suche nach einem Designer klar machen, was es genau benötigt. Ob man einen Designer mit einer speziellen Designdisziplin benötigt, der nur eine Teillösung erstellt oder jemanden, der das große Ganze im Blick hat und eine übergreifende visuelle Konzeption erstellt, auf die dann andere Designdisziplinen zurückgreifen können.

Denn, wenn  jeder Designer seinen eigenen Stil und seine eigenen Regeln bestimmt, dann passt das visuelle Erscheinungsbild des Unternehmens nicht zusammen und ergibt kein Gesamtbild.

(*) Um den Text lesefreundlicher zu gestalten, habe ich auf die Genderschreibweise verzichtet und versucht die Wörter im Plural zu verwenden. Ansonsten sind natürlich alle Geschlechter gemeint z. B. Grafik Designer*in

 

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Weigle

Cornelia Weigle
Ich unterstütze kleine Unternehmen, Soloselbstständige & Arztpraxen dabei, ihr Corporate Design zu professionalisieren und für analoge und digitale Medien fit zu machen. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass langjährige Kundenbeziehungen nur funktionieren, wenn sie in beiden Welt erlebbar sind.

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