Bis vor Kurzem habe ich meine Vergesslichkeit aufs Alter geschoben – aber zum Glück ist das nicht der Grund! Wir verlernen gerade, uns zu konzentrieren. Das las ich in einem Artikel der Zeit 2025, KW50.
Fazit: Die Informationsflut führt dazu, dass unsere Aufmerksamkeitsspanne unter der eines Goldfisches liegt, unter 7 Sekunden.
(Puhh 😅, es liegt also nicht am Alter, dachte ich, Jüngeren geht es genauso!)
Meine Folgerung: Markendesign-Entwicklung 2026 bedeutet für mich: weg von KI-generierter Beliebigkeit. In einer Zeit sinkender Aufmerksamkeitsspannen gewinnen Marken durch Reduktion, menschliche Unvollkommenheit und flexible Designsysteme an echter Strahlkraft und Vertrauen.
Warum Reduktion und Persönlichkeit die neue Strategie sind
Während der Weihnachtstage zog ich mich bewusst aus der digitalen Welt zurück und griff zu den ungelesenen Ausgaben der ZEIT. Ich las: „Wie wir wieder lernen, uns zu konzentrieren“. Die Fakten darin sind ein Weckruf: Das Telefon brauchte 75 Jahre, um 100 Millionen Menschen zu erreichen – ChatGPT nur acht Wochen. Wir werden bei der Arbeit alle 47 Sekunden unterbrochen.
Mittlerweile liegen wir offiziell unter der Konzentrationsfähigkeit eines Goldfisches.
Ich nickte innerlich und las weiter.
Die Autorin machte sich Sorgen über ihre eigene Vergesslichkeit, fühlte sich im Alltag immer mehr fremdbestimmt und machte sich schließlich auf den Weg, den Grund dafür zu suchen.
Sie las viele Studien, befragte Fluglotsen und besuchte schließlich ein Seminar von Gloria Marc in New York. Gloria Marc ist Psychologin und Professorin für Informatik an der University of California, Irvine, und beschäftigt sich intensiv mit der Auswirkung digitaler Medien auf menschliche Aufmerksamkeit, Multitasking, Stress und Wohlbefinden.
Die Psychologin führte Live-Versuche durch, in denen es darum ging, den Teilnehmern die Freude an ungeteilter, tiefer Aufmerksamkeit wieder spüren zu lassen. Gefühle, die in der digitalen Welt verloren gehen. Spüren, wann unser Fokus wandert und warum. Zuhören und gehört werden.
Am Ende stellten alle Teilnehmer fest: Es ist die eigene Willenskraft, all den Versuchungen zu widerstehen, und je länger wir uns mit etwas beschäftigen, desto wichtiger wird es.
Relevant: Wir brauchen Zufluchtsorte der Aufmerksamkeit, in denen wir wieder spüren und anderen zuhören. Das können Bibliotheken, Kirchen, Museen oder bewusste Auszeiten sein.
Ich weiß jetzt immerhin, dass meine Vergesslichkeit mit den vielen, parallelen Aufgaben und der damit verbundenen Aufmerksamkeitsspanne zu tun hat!
Und da poppte meine entscheidende Frage auf: Was sind die Konsequenzen für das Design einer Marke? Und: Hat der neue Ugly-Design-Trend etwas damit zu tun?
Designentwicklung im Jahr 2026
Übertragen wir das auf ein Markendesign, dann wird schnell klar, dass nicht mehr, sondern weniger relevant wird.
Füttern wir das Netz weiter mit KI-generierten Inhalten – mit diesen perfekten, aber oft seelenlosen Bildern und austauschbaren Botschaften –, landen wir in einer Sackgasse der Beliebigkeit.
Alles schreit nach Aufmerksamkeit, und genau deshalb hört niemand mehr zu oder scrollt einfach weiter. Die Menge an Beiträgen wird nicht zurückgehen. Kann Design einen Gegenpol bilden?
Ich selbst scrolle durch die Kanäle und langweile mich an ähnlichen Beiträgen, die mich auffordern, den Prompt zu kopieren, um genau dasselbe Bild zu bekommen. Halloooo? Wo ist die Individualität und Persönlichkeit geblieben?
Meine Prognose für die Designentwicklung 2026: Bewusst Auszeiten für das Auge gestalten. Raus aus dem Einheitsbrei. Ob das nun ein neuer Designstil ist oder auch eine einfarbige Fläche im Yves Klein Blau, warum nicht?
Weg vom KI-Einheitsbrei, hin zur ungeschminkten Wahrheit, zu einfachen, aber wirkungsvollen Designs und zu Marken-Persönlichkeiten.
Design wird sich verändern, weil wir als Menschen einen Schutzmechanismus gegen die digitale Flut brauchen. Wir sehnen uns nach:
- Ruhe statt Rauschen
- Klarheit statt Komplexität
- Echtheit statt Hochglanz-KI
- Zwischenmenschlicher Interaktion
Ein Experiment: Schau einige Zeit auf die blaue Fläche: Was passiert in deinem Kopf? Welche Assoziationen hast du dazu? Wie wirkt es auf dich? Je mehr wir unsere Aufmerksamkeit auf eine Sache lenken, desto tiefgründiger werden unsere Gedanken und Gefühle.
Zwischen Chaos und Perfektion, liegt das Unperfekte genau in der Mitte.
Menschliche Unvollkommenheit, Anzeigen im Ugly-Style oder unperfekte Lichtverhältnisse. Egal. Alles, was sich von makelloser KI-Optik abhebt, zieht uns in den Bann. Das ist nicht einfach nur ein Trend, sondern ist eine Folge der Überflutung mit KI-Inhalten.
Adam Mosseri, Geschäftsführer von Instagram, brachte es kürzlich auf den Punkt: „Rohheit ist nicht mehr nur eine ästhetische Vorliebe, sie ist ein Beweis. Das hier ist real, weil es unvollkommen ist.“
Diese Rohheit, nenne ich „das Unperfekte“ und es wird in der japanischen Wabi-Sabi-Philosophie (侘寂) übersetzt als: Das Unperfekte geht vor Perfektionismus! Das Unperfekte ist emotional und persönlich, weil es eine Geschichte erzählt. Wir können unsere Gedanken weiter wachsen lassen, weil wir die Zusammenhänge neu entdecken dürfen.
Deshalb werde ich in der Markendesign-Entwicklung auch verstärkt auf japanische Ästhetik-Konzepte setzen – kombiniert mit KI: die Schönheit des Unperfekten, Kraft der Reduktion – verbunden mit KI. Nicht umgekehrt.
Ein makelloser Look wird immer als „KI-generiert“ entlarvt und wirkt dadurch distanziert. Das Persönliche, das Handgemachte und ein Design, das Raum für Dialog und Gefühle lässt, gewinnen immer mehr an Wert. Ein Raum mit Ecken und Kanten – mit Charakter.
Doch wo liegt der Übergang zwischen dem Makellosen – dem Unperfekten /Rohen – und dem Chaos?
Das Persönliche entsteht da, wo es unperfekt und menschlich wird! Eine Gratwanderung: Die Suche nach dem Unperfekten liegt irgendwo zwischen Chaos und dem Makellosen. Kein Markenbild will im Design-Chaos landen oder im KI-Einheitsbrei enden, weil dann jegliche Ausstrahlung verloren geht. (Bilder sind mit KI generiert).
Die Rolle der KI in deinem Markenauftritt
Was zurzeit auf allen Kanälen suggeriert wird: Mit KI löst du alle Probleme. Mit KI kannst du alles alleine machen. Bis du es glaubst: „Das übernimmt doch alles die KI für mich.“
Tausende Prompts zu unterschiedlichen Themen. Einfach nur Copy und Paste. Klingt easy, aber genau hier liegt der Irrtum. KI kann Prozesse beschleunigen, aber sie kann deine Essenz nicht spüren.
Ohne klares Briefing und deine eigene Designsprache verleiten dich die unendlichen Möglichkeiten der KI dazu, dass dein Markenbild aufweicht. Du wirst beliebig, statt sichtbar.
„Kannst du etwas erschaffen, das nur DU erschaffen konntest?“ (Adam Mosseri, Geschäftsführer Instagram)
Ein Logo in der Ecke macht deinen Content nicht einzigartig. Deine persönliche Ausstrahlung, übersetzt in ein strategisches Design, hingegen schon.
Darum löst ein flexibles Designsystem die starren Guidelines ab.
Jedes Design beginnt bei mir immer mit der Frage nach der Absicht. Daraus entwickelt sich der einzigartige Look, dein Designstil.
Ein Fundament, auf dem alles andere aufbaut. Und das durch ein flexibles Designsystem zusammengehalten wird.
Denn wer sich zukünftig noch an ein statisches PDF-Handbuch oder eine Guideline hält, wird 2026 feststellen, dass dieses Schutzschild im schnellen Social-Media-Alltag zum Klotz am Bein wird.
Und wo sehe ich die Rolle von KI?
KI hilft dabei, dieses flexible Designsystem aufzubauen und auf die Gestaltungsräume (Kanäle) zu übertragen. Es bringt Klarheit in die Prozesse, es spart Zeit und hilft bei der Skalierung. Denn Technologie verändert sich ständig, Formate ändern sich – aber dein Stil bleibt konsistent.
Mein Rat: Für eine zukunftsfähige Markendesign-Entwicklung brauchen wir also das persönliche, an einigen Stellen auch unperfekte Design und ein flexiblen Designsystem. Ein System, das nicht jede Schriftgröße für jeden Einsatz definiert, oder nur drei feste Farben statt eines Farbspektrums erlaubt. Es kommt auf das Zusammenspiel an – und dabei spielt KI eine wichtige Rolle.
Das Design ist der Stil, das Designsystem sind die Leitplanken, die durch KI mitwachsen und sich individuell an verschiedene Kanäle anpassen können, ohne die Identität zu verwässern.
Ich hoffe, das verständlich formuliert zu haben.
Fazit: Deine persönliche Designsprache kombiniert mit einem Designsystem ist dein Wachstumsfaktor für 2026
Kommen wir noch einmal auf die Frage vom Anfang zurück: Was sind die Konsequenzen der Informationsflut und hat der neue Ugly-Design-Trend etwas mit dieser Reizüberflutung zu tun?
Aus meiner Sicht lassen wir uns (mich eingeschlossen!) durch KI verleiten, berieselt zu werden. Der klassische FOMO-Effekt. Wir beschäftigen uns so sehr mit den vielen Informationen, dass wir nicht mehr klar denken können und uns damit selbst schwer tun, neue kreative Lösungen zu finden – mit der Ausrede: Das kann ja die KI machen.
Die logische Konsequenz ist genau dieser Ugly Style, das Unperfekte als Gegenströmung zum KI-Einheitsbrei. Das vermittelt: Ich bin menschengemacht, ich zeige mich, wie ich bin. Authentisch, fehlerhaft und einzigartig.
Deshalb wird Design nicht nur auf positive Ästhetik (Schönheitsideale) nach westlichen Standards zurückgreifen, sondern sich auch für japanische Ansätze öffnen. Das Unperfekte, das Unvollkommene, der Raum zum Atmen, der die Gefühle transportiert. Alles japanische Ästhetik-Konzepte.
Ich erinnere mich noch an folgenden Satz: Nutze die KI als Rückenwind, aber behalte das Steuer in der Hand.
Hab aber leider vergessen, wer es war 🤣
Die 3 wichtigsten Fragen:
Was ist der wichtigste Trend in der Markendesign-Entwicklung 2026? Der Fokus verlagert sich von technischer KI-Perfektion hin zu menschlicher Authentizität. 2026 gewinnen Marken, die auf Reduktion, Mut zur Lücke (das Unperfekte) und eine unverkennbare persönliche Designsprache setzen. Es geht darum, visuelle Verschnaufpausen zu schaffen.
Warum reicht ein klassisches Logo für den Markenauftritt nicht mehr aus? Durch die Vielzahl an Kanälen stoßen z. B. statische Logos oder der Einsatz von wenigen, festen Farbwerten an ihre Grenzen. Eine moderne Markendesign-Entwicklung setzt auf flexible Designsysteme. Diese funktionieren wie ein lebendiger Baukasten, der Konsistenz garantiert, sich aber mühelos an verschiedene Formate anpasst.
Kann KI die strategische Designentwicklung komplett ersetzen? KI ist ein Werkzeug für die Umsetzung, kann aber die menschliche Essenz nicht erfühlen. Ohne eine vorab definierte Designsprache führt KI-Nutzung oft zu Beliebigkeit. Eine strategische Design-Entwicklung stellt sicher, dass die KI deine Identität stärkt, statt sie zu verwässern.
Bereit für echte Strahlkraft?
Wenn du jetzt spürst, dass dein aktueller Auftritt noch nicht auf diese Veränderung ausgerichtet ist, sollten wir uns deine individuelle Designsprache anschauen. Und erst im nächsten Schritt KI hinzunehmen.
Lass uns gemeinsam in einem unverbindlichen Kennenlern-Termin schauen, wie wir deine Essenz sichtbar machen.







