5 Tipps für Grafikdesign Anfänger

Tipps für Nachwuchsdesigner
Kategorie: Designwissen

Es gibt viele Wege, um Designer:in zu werden. Ich habe den geradlinigen Weg gewählt. Und deshalb kann ich rückblickend allen Nachwuchs-Grafik Designer:innen wertvolle Tipps geben. Die ich gerne vorab gehabt hätte .

Bei mir in der Familie arbeitete niemand im Kreativbusiness. Ich hatte auch keine Vorstellung wie man dort arbeitet und was es bedeutet »kreativ« zu sein. Ich hatte nur unheimlich viele Ideen, die ich auf Papier bringen wollte. Mein Papierverbrauch war immer enorm – zum Glück kann man heute seine Ideen digital abspeichern. Das spart Papier und Platz.

Meine Urgroßeltern hatten einen Schreibwarenladen und eine Druckerei in Stockach am Bodensee, die BRESTO Druckerei.

Ich kann mich nur an einen Besuch in dieser Druckerei erinnern und fand es so faszinierend. Der Geruch von Druckerschwärze ist mir bis heute in der Nase geblieben 🤪, die großen Papierrollen und die ausrangierten Bleisatzkästen – die meine Mutter zu Deko-Zwecken mitgenommen hat. Wir Kinder durften uns große Mengen Papier zum Malen mitnehmen.

Nachdem ich mich anfangs nicht zwischen Produkt-, Schmuck- und Grafik Design entscheiden konnte, hat sich wohl mein Unterbewusstsein (den Geruch von Druckerschwärze) 🤪🤪🤪 durchgesetzt.

Tipp 1: Zeig Leidenschaft, bei dem was du tust!

Das Visualisieren von Bildern oder Information, die ich im Kopf habe, war schon immer mein Ding. Deshalb war schon früh klar, dass ich dieser Passion folgen werde.

Zum Glück ist der Designbereich so vielfältig und vielschichtig und es gibt viele Wege dort Fuß zu fassen.
Es ist nicht wichtig in welchem Bereich du startest. Ich kenne viele Designer, die im Laufe ihres Berufslebens gewechselt haben. Sie haben mit Schmuckdesign begonnen und sind heute Grafik Designer:in oder Produktdesigner:in.

  • Schau was deine Stärken sind?
  • Wo kannst du dich am besten entfalten?
  • Wo fühlst du dich wohl?
    Es ist Typsache, ob du 2-dimensional, 3-dimensional oder nur digital arbeiten möchtest. Ob du kommunikativ bist oder etwas von der Idee bis zum fertigen Produkt machen möchtest.

Wichtig ist nur, dass du es von Herzen machst. Denn du brauchst täglich neue Ideen und die bekommst du nur, wenn du deinen Beruf liebst.

„Gib niemals auf, für das zu kämpfen, was du tun willst.
Mit etwas, wo Leidenschaft und Inspiration ist, kann man nicht falsch liegen.“
Ella Fitzgerald (Sängerin)

Tipp 2: Designstudium oder Weiterbildung?

Es gibt nicht DIE richtige Ausbildung. Mein Weg war ziemlich geradlinig. Ausbildung zum Grafik-Design-Assistenten, danach Abitur und Studium Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Ausstellungsdesign. Dazwischen ein Auslandsstudium mit Mediendesign und Verpackungsdesign.

Beim Verpackungsdesign wäre ich fast hängen geblieben. Aber dann haben mich die digitalen Medien doch mehr fasziniert. Im Grund habe ich das ganze Spektrum Print und Online kennengelernt.

Das ist heute schwierig, da sich die Technologien rasant weiterentwickeln. Trotzdem rate ich dir ein gutes Fundament zu haben. Dann kannst du jederzeit den Bereich wechseln.

Neben einem Grafikdesign-Studium, kann man Grafikdesign auch durch Onlinekurse lernen. Du solltest dabei aber auf Folgendes achten.

 

  1. Lerne zuerst die Basics der Gestaltung
    Egal ob ein klassisches Studium oder Online-Studium. Alles fängt mit den Grundlagen der Gestaltung an, im Studium nennt man es Basissemester. Mit welchen Tools du das Gelernte umsetzt ist zweitrangig. Tools sind Werkzeuge, die sich laufend verändern und die nach jedem Update wieder neue Funktionen haben. Aber die Gestaltungsgrundlagen sind dein Ausgangspunkt, ähnlich einem Grundrezept beim Kochen. Da hilft die beste Küchenausstattung nichts!
  2. Lege dich am Anfang nicht fest
    Aufgrund der Schnelllebigkeit, werden bereits im Studium Studiengänge mit Spezialisierung angeboten. Was ich ehrlich gesagt nicht gut finde. Dann ist ein Wechsel zwischen den Bereichen Print und Online schwieriger.
    Das selbe sehe ich bei Onlinekursen, die sich auf eine Software (z. B. Canva) spezialisieren.
    Dein Blick wird dann schon zu Beginn enger, die Technologie beeinträchtigt deine gestalterische Freiheit. Ein Künstler probiert auch Neues aus – die Idee und die Botschaft stehen im Vordergrund. Die Umsetzung kommt später und richtet sich nach dieser Idee. Also versuche dich nicht von einer Software abhängig zu machen. Probiere am besten alle mal aus.
  3. Finde deine Einzigartigkeit.
    Wenn du die Basics kennst, kannst du dich auf ein Lieblingswerkzeug festlegen. Es gibt Vorlieben und jede Software hat Vor- und Nachteile. Es hängt auch davon ab, ob du dich in einem Bereich spezialisieren möchtest. Wichtig ist, dass du deinen Stil findest und nicht die Software deinen Stil vorgibt.
  4. Da unser Beruf viele Facetten hat, finde ich auch einen zusätzlichen Blick in andere kreative Branchen als sehr hilfreich. Viele Arbeiten und Prozesse im Designbereich beruhen auf Erfahrung und den ständigen Drang Neues zu lernen und flexibel zu bleiben.
  5. Die Fähigkeit sich in ein Projekt einzudenken, über den Tellerrand zu schauen und die Zielgruppe zu verstehen, ist genauso wichtig wie Fachkenntnis.

Tipp 3: Du hast immer eine Wahl!

Frage dich: Wie willst du arbeiten? Überlege was zu dir passt:

  • Angestellte:r in einer Agentur oder einer Marketingabteilung einer Firma. Hier hast du immer Projekte und kannst dich nur auf deinen Fachbereich konzentrieren.
  • Freelancer arbeiten projektbezogen für verschiedene Firmen. Das geht von zuhause aus (alleine arbeiten) oder im Team. Der Nachteil: du musst immer auf Abruf arbeiten und hast keine Sicherheit wann der nächste Auftrag kommt. Der Vorteil: Du kannst dich spezialisieren und dir in deinem Fachbereich einen Namen machen.
  • Ein eigenes Unternehmer aufbauen. Hier kannst du selbst entscheiden für welche Branche und Projekte du arbeiten möchtest. Du musst allerdings dein Marketing und die Akquise parallel zu deinen Projekten machen.

Wenn du dich selbstständig machst, dann musst du dich auch mit Betriebswirtschaft und Marketing auskennen.
Da führt kein Weg daran vorbei.

Deine Grundlagen für Entscheidungen

 

  1. Verkauf dich nicht unter Wert
    Viele Designer sind am Anfang unsicher, welchen Preis sie verlangen können.  Sowohl als Angestellter in einer Agentur und als Freelancer gibt es keine Standardpreise. Du solltest dir deshalb immer Gedanken dazu machen, was du verdienen willst – auch während des Studiums! Du kannst deinen Wert selbst bestimmen. Allerdings finde ich es auch schwer für sich selbst einen Preis zu definieren. Zumindest ging es mir jahrelang so. Aber das lernst du.
  2. Kalkuliere richtig
    Wenn du als Selbstständige:r starten möchtest, beginne bei der Kalkulation deiner Ausgaben und der gewünschten Arbeitszeit pro Woche. Wie lange möchtest du arbeiten? Denk daran, ein Designer benötigt auch kreativen Input, den er sich oft in der Freizeit holt.  Berechne nicht nur die Zeit der Designerstellung. Bei den Projekten kommt noch das Projektmanagement, Beratung, Datenhandling und Kommunikation dazu.Noch ein Gedanke: Design ist eine individuelle Leistung, kein „von der Stange“ Produkt. Wir machen keine Massenprodukte – sonst könnte es ja ein Computerprogramm erledigen.
    Es sind alles individuelle Einzelstücke, auf den Kunden abgestimmt – wie ein Prototyp.
  3. Lerne Nein zu sagen
    Damit habe ich mir lange schwergetan. Ein Klassiker: »Das Angebot ist zu teuer« oder der Kunde kommt mit einer Vorstellung, die ich aber schon im Ansatz für falsch halte. Doch der Kunde ist König, du bist der Spezialist. Oft muss man abwägen, ob es Sinn macht einen Auftrag umzusetzen nur um beschäftigt zu sein oder ob es nicht besser ist durch die gewonnene Zeit das eigene Marketing zu stärken. Denn es gibt auch beratungsresistente Kunden!
  4. Hab immer mehrere Eisen im Feuer
    Wenn du selbstständig bist, setzte nie auf nur einen Kunden oder eine Agentur (ist übrigens auch schwierig bezgl. der Scheinselbstständigkeit). Du hast dadurch eine viel bessere Verhandlungsposition und lernst wie unterschiedlich Agenturen zahlen und Kunden mit Angeboten umgehen.

Tipp 4: Kreativität braucht Input

Das rate ich allen Nachwuchs-Designer – egal ob Grafik Design, Kommunikationsdesign, Produkt Design oder Medien Design.

  • Woher bekomme ich immer kreative Ideen?
  • Gehen mir diese nicht irgendwann aus?
    Ganz einfach: Sei offen und sauge neue Impulse auf (Denk Fachübergreifend:

Du kannst jede Anregung neu interpretieren. Das Schönste am Designberuf ist die Veränderung. Man muss sich immer wieder neu ausrichten und darf nie stehenbleiben.

Meine wichtigsten Routinen

 

  1. Probiere aus und experimentiere
    Beginne Skizzenbücher zu nutzen und alle Ideen, die dir einfallen niederzuschreiben oder zu skizzieren.
    Dadurch lernst du, schnell Ideen zu visualisieren und sie auf den Punkt zu bringen. Du merkst auch gleich ob deine Ideen auch visuell umsetzbar sind.
  2. Halte deine Ideen fest, wenn sie für das eine Projekt nichts taugen, dann für ein anderes. Nimm ein Skizzenbuch und mache tägliches Design-Journaling.
  3. Vergleiche dich nicht mit anderen Designern. Jeder Designer braucht seinen eigenen Stil.
  4. Gehe deinen eigenen Weg.
    Du musst nicht alles glauben, was man dir über Design erzählt oder hinterfrage es zumindest kritisch. Ich habe zu oft die Meinung anderer gesucht und dabei meinen eigenen Designstil zurückgedrängt. Deshalb: Lass dich von anderen nicht verunsichern (Professoren, Kollegen, … sie sind Menschen und haben ihre Erfahrungen gemacht) sondern inspirieren.
  5. Probiere neue Dinge aus, z. B. verwende Filter für andere Einsätze als sie normalerweise gedacht sind oder kreiere dir eigene Pinsel.
  6. Lerne von anderen und schau dir an was andere aus deinem und angrenzenden Fachbereichen machen. Was gefällt dir und wie haben sie das gemacht. Dadurch kommst du auch selbst auf neue Ideen.
  7. Besuche Museen, schaue in anderen Fachbereiche Architektur/Filme/Animation…, Gehe auf Ausstellungen und Vernissagen. Kreativität braucht Input.
  8. Lege dir eine Bibliothek oder Archiv mit deinen Grafiken oder Logos an, die nicht verkauft wurden. Irgendwann kommt für jede Idee seine Zeit.

Tipp 5: Investiere in dich selbst.

  1. Es gibt keine Fehler, sondern Erfahrungen
    Gönne dir regelmäßig einen Kurs oder Freiraum, der dir neue Impulse gibt. Ich nehme mir mehrmals im Jahr eine Auszeit für Kreativprojekte.  Dort lasse ich mir Zeit und beschäftige mich intensiv mit Themen, die meine kreative Seite ansprechen. Du kannst auch Kurse besuchen, die dir neuen Input aus anderen Fachbereichen geben oder dir helfen dich persönlich weiterzuentwickeln.
  2. Bau dir ein Netzwerk auf.
    Viel zu spät habe ich erkannt, dass man durch ein Netzwerk viel schneller ans Ziel kommt. Man lernt aus Fehlern anderer, bekommt ein Feedback oder gibt Tipps zu Tools. Egal ob ein Berufsverband oder ein virtuelles Netzwerk. Es kommt auf den Austausch an. Du musst es nicht alleine schaffen!
  3. Hole dir Feedback aus der Community oder auch von fachfremden Personen. Mein Mann und meine Kinder müssen auch oft herhalten. 😉

Designer haben so vielseitige Aufgaben: Sie machen Dinge hübsch, bringen Information in die richtige Reihenfolge, warnen vor Gefahr, geben Orientierung… .

Mit Sicherheit findest auch du, als Nachwuchs-Designer in diesem Beruf das Passende für dich.

Du möchtest mehr über das Designbusiness erfahren? Welche Fragen brennen dir unter den Nägeln? Dann freue ich mich dich Kennenzulernen.

Du bist gespannt auf den nächsten Blogartikel? Dann trage dich  hier ein. Ich halte dich auf dem Laufenden.

Weigle

Cornelia Weigle
Ich unterstütze Unternehmen, Soloselbstständige & Arztpraxen dabei, ihr Corporate Design zu professionalisieren und für analoge und digitale Medien fit zu machen. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass langjährige Kundenbeziehungen nur funktionieren, wenn sie in beiden Welt erlebbar sind.

Diese Artikel könnten dich auch interessieren

Starte jetzt durch

7 Totsünden der Gestaltung
Hol dir deine kostenlosen Designkarten und lerne die 7 Todsünden der Gestaltung kennen.