Grafikdesign Grundlagen: Layout

Layout erstellen
Kategorie: Designwissen

Kennst du die Geheimsprache der Designer? Wir haben ja ganz kuriose Wörter. Sowas wie Schweinebauchgrafik oder Schweinebauchdesign. Kennst du den Begriff?

So wurden im Grafiker-Fachjargon der 80er und 90er Jahre Flyer, Anzeigen und Prospekte bezeichnet, die nur lieblos (von Nicht-Gestaltern) dahingeklatscht wurden. Man begegnete ihnen vor allem an den Briefkästen, in Form von Billig-Prospekten.

Zum Glück wurde diese Werbeform in den letzten Jahren weniger. Hoffentlich auch aufgrund der Nachhaltigkeit!

Um diesen Begriff endgültig aussterben zu lassen, habe ich mir zum Ziel gesetzt meinem Netzwerk regelmäßig Designtipps zu geben. Meine Blog-Serie »Grafikdesign Grundlagen« ist um einen weiteren Artikel erweitert. Alles rund um das Layout.

 

Gestaltungsprinzip der Raumaufteilung

Der Kreativprozess ist Teil des Designprozesses. Er kann nur so gut sein, wie die Zielformulierung und das Design Briefing. Hier geht es um die visuelle Umsetzung der Botschaft. Fehlt eine Information – fehlt sie in der Umsetzung. Der Kreativprozess ist selten linear. Er hat immer Denk- und Arbeitsschleifen, die am besten zusammen mit dem Kunden abgestimmt werden.

Im Gestaltungsprozess starte ich dann mit der Erstellung von handgefertigten Scribbles und Layouts. Diese helfen mir dabei die Raumaufteilung und Proportionen schon vorab zu definieren. Andere Grafikdesigner gehen direkt an den Computer und legen los. Warum ich das mache?

Weil hinter jeder Gestaltungsarbeit eine Idee steckt. Diese möchte ich als erstes zu Papier bringen. Danach kommt die Raumaufteilung, Komposition und das gesamte Layout. Sie spielen eine wichtige Rolle und entscheiden, was von der Botschaft am Ende beim Betrachter hängen bleibt. Erst wenn ich die ersten Ideen und die Grundlagen der Raumaufteilung habe, mache ich mich, mithilfe von den Software Werkzeugen, wie Adobe, Canva oder Affinity  an die Umsetzung.

Für die Raumaufteilung einer Fläche gibt es im Grafikdesign verschiedene Layout-Methoden.

  • Nutzung von Raster
  • Komposition der Elemente nach einem Ordnungsprinzip
  • Spannung erzeugen

Das spart zum einen Zeit (Automatisierung), hilft aber auch dem Betrachter den Inhalt und die Aussage schneller zu erfassen. Er kann sich auf Gewohnheiten (Lesegewohnheit) und seine Erfahrungswerte verlassen (schnelles Erfassen/Scannen von Informationen).

Einsatz von Raster im Grafikdesign

Raster verhelfen bei der Verteilung von Inhalten eine Ordnung und Struktur zu geben. Sie ermöglichen dem Auge des Betrachters den Inhalt schneller zu erfassen und der Relevanz zuzuordnen. Eine Überschrift, die auf jeder Seite an derselben Stelle steht – wird schneller erfasst als ständig wechselnde Positionierungen der Überschriften. Was beim visuellen Sannen von Texten sehr hilfreich sein kann. 

  • Die Aufteilung einer Fläche in verschiedene Bereiche wird oft in Form des goldenen Schnitts vorgenommen.
  • Die Fibunacci-Sequenz ist auch solch ein Rastersystem. Es basiert auf einer Zahlenfolge (1+1=2 / 1+2=3 / 2+3=5 /…).
  • Man kann aber auch flexible Raster für unterschiedliche Format nutzen. Das ist die dynamische Anpassung von Raster an das Format.
  • In anderen Kulturen gibt es diese Raster nicht. Hier wird Spannung durch den Drei-Klang erzeugt. Dominate, Subdominate und ein drittes „Spielbein“. Welche mit der Weißfläche agieren.

Weißraum als Mittel der Komposition

  • Weisse Flächen können Ruhe ausstrahlen oder eine Spannung erzeugen, deshalb sind sie ein Bestandteil der Gestaltung.
  • Zwischenräume bei Buchstaben oder zwischen Bilder und Texte, erzeugen ebenfalls Spannung oder Ruhe. Man kann damit den Betrachter zum Lesen motivieren oder seine Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Bereich lenken. Oder ihn durch zu wenig Weissräume/ Ruhezonen auch überfordern und verwirren. Daher kommt auch der Spruch: Weniger ist mehr (Wirkung).

Aufteilung einer Fläche – Ruhe oder Spannung

  • Unser Unterbewusstsein empfindet Elemente, die eine ungerade Anzahl haben, harmonischer. Und das fließt ganz selbstverständlich in unseren Alltag ein (Blumensträuße werden mit einer ungeraden Anzahl an Blumen gemacht).
  • Ungerade Zahlen 3-5-7 erzeugen eine optische Spannung, ohne ein Element in den Vordergrund zu drängen.
  • Freie Formen wirken anders als geschlossene Formen und brauchen meist nicht so viel Abstand zum nächsten Objekt. Meist ist es sogar schöner, wenn sie sich in den Text integrieren oder ganz alleine auf einer Weissfläche stehen.
  • Bilder, Rechtecke und Kreise wirken stärker als ein Textblock, der Weißraum zwischen den Buchstaben und Zeilen hat.
  • Farben mit unterschiedlicher Intensität wirken in einer Schrift nicht so stark wie in einer Fläche
  • Linien dienen dazu Inhalte zu teilen oder in einer grafischen Einheit ein Bild zu erzeugen
  • Weisse Ränder um das Format, fokussieren den Blick auf die Innenfläche
  • Bilder, die aus dem Format gehen (in den Beschnitt), vermitteln den Eindruck einer gewissen Freiheit, (Freiheit der Gedanken).
  • Beim Einsatz von parallelen Linien zum Formatrand, wird das Format betont und der Blick des Betrachters noch mehr nach innen gerichtet. Die nebenstehenden Anzeigen oder Beiträge werden dadurch optisch stärker abgetrennt. Allerdings verliert man dadurch auch Raum für eigene Inhalte.

Eine visuelle Hierarchie erzeugen

Wie erreicht man Aufmerksamkeit und Spannung in einem vorgegebenen Format?

Inhaltliche Gliederung der Information

Ein erster Schritt ist die klare Gliederung der Information. Positionierung des Absenders und Gliederung der Grundbestandteile. Bei einer Broschüre gibt noch es eine Seitenfolge zu beachten. Bei einer Anzeige das Umfeld. Bei einer Ausstellung oder einem Event, den Abstand des Betrachters zum Medium.

Die Bestandteile

  • Titel
  • Keyvisual / Bild
  • Untertitel
  • Textpassagen
  • Diagramme / Grafiken
  • Absenderkennung
  • Grafische Elemente / Dekoelemente

    Optische Gliederung der Information

    Diese Mittel helfen dabei, dem Betrachter Orientierung zu geben:

    • Farbe und Tonwerte: Als Mittel zur Ausmerksamkeit und als Wiedererkennungseffekt. Farben transportieren Emotionen und/oder eine symbolische Wirkung (Gelb = Sonne/Wärme). Je nach Tonwert 100% oder nur 50%werden sie als Hintergrundfläche eingesetzt um Elemente zu verbinden und Ruhe auszustrahlen. Oder sie dient dazu etwas Hervorzuheben.
    • Schrift kann ebenfalls als Stopper (Blickfang) oder als ruhige Fläche (Fließtext) eingesetzt werden.
    • Bildqualität: Der erste Eindruck zählt. Die Qualität und Aussage der Bilder, ist entscheidend. Deshalb immer großen Wert auf die Auswahl des passenden Materials legen. Lieber ein Bild kleiner darstellen oder weglassen, als eine schlechte Qualität in Kauf nehmen.
    • Bildmaterial: Bildmateriel kann unterstützend wirken und Informationen bzw. Fakten & Zahlen unterlegen. Alternativ kann man auch mit Grafiken und Diagrammen arbeiten. Bildmaterial wird aber auch gerne eingesetzt um Emotionen zu transportieren. 
    • Materialität (2D 3D Textur)
    • Kontrast zwischen den Elementen Bild und Text ( Emotion und Information)

    Gliederung durch Typographie

      Typographie hat die Aufgabe den Blick des Betrachters zu lenken und gleichzeitig den Text leicht und schnell erfassbar zu machen. Sowie inhaltliche Aspekte (z. B. persönlich, informativ) bereits mit der Schriftart zu kommunizieren (modern, traditionell, trendig, handschriftlich, …)

      • Schriftwahl: Fest definierte Schriftgrößen, Schriftschnitte und Schriftfarben für wiederkehrende Bestandteile, helfen dem Auge des Betrachters und vermitteln Ruhe. Die Konzentration liegt beim Inhalt des Textes nicht bei der Orientierung auf der Seite.
      • Wechselnde Schriftschnitte (bold/black/regular) oder  für Titelüberschriften vermeiden. Immer bei einem Schriftschnitt für Headline oder Fließtext bleiben.
      • Zuviele Schriftgrößen verwirren nur
      • Zeilenabstände für alle Bestandteile des Textes definieren: Headline, Subline, Fließtext, Copytext, Bildunterschriften.
      • Die Wahl der Schriftgrößen beachten: Für die Betrachtung auf Papier oder digitalen Medien gibt es unterschiedliche Anforderungen.

      Fluid Design

        Für das Layouten oder Gestalten von Flächen, wird heute nicht nur ein fixes Format vorgenommen. Oft müssen die Gestaltungsideen medien- und formatübergreifend funktionieren. Das bedeutet: Das Anlegen von unterschiedlichen Formaten für eine Gestaltungsidee. Man spricht dann von Fluid-Design, also fließendes Design. 

        Ein Entwurf wird schon zu Beginn für verschiedene Medien oder Formaten angedacht, entwickelt oder zumindest angelegt. Warum das so ist? Weil wir unterschiedliche Ausgabeformate haben. Unterschiedlichen Bildschirmformate, aber die verstärkte Verknüpfung von Online und Offline Medien für Erscheinungsbilder/Corproate Designs, Webseiten, Anzeigen, Kampagnen uvm.

        Hast du Interesse an weiteren Artikel zum Thema Gestaltung? Dann lies diesen Artikel,  Grafikdesign Grundlagen: Designprozess

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        Weigle

        Cornelia Weigle
        Ich unterstütze Unternehmen, Soloselbstständige & Arztpraxen dabei, ihr Corporate Design zu professionalisieren und für analoge und digitale Medien fit zu machen. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass langjährige Kundenbeziehungen nur funktionieren, wenn sie in beiden Welt erlebbar sind.

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